Wer war ich?

(Text zum Podcast von Olga Pérez Bové)

Alex und Tanja sind Geschwister, sie wohnen am Ende der Marktstraβe und warten mit voller Ungeduld auf den vierten Schlag von der Kirchenglocke. Es ist Sommer, sehr warm. Jetzt! Ding, dong, ding!
Schnell verlassen sie die Wohnung und laufen bis zu dem Platz, wo schon zwei Freunde auf sie warten.
Die Ruhe und Stille auf den Straβen wird von den vier kleinen Jungen mit Schreien und Lachen durchbrochen. Auf der Straβe gibt es noch niemanden, vielleicht weil es zu früh und warm ist? Aber Kinder wissen nicht, was das bedeutet, am wichtigsten für sie ist spielen.
„Was sollen wir spielen?“ Das ist der Grund für den ersten Streit. Die kleineren vier Kinder schreien durcheinander, was sie spielen möchten. Fuβball! Nein! Fuβball? Ja!
Jemand muss das stoppen und das ist immer Alex. Er ist der lustigste und intelligenteste in der Gruppe und hat immer eine tolle, aber verrückte Idee, mit der Markus normalerweise einverstanden ist. Markus ist der Chef, was er sagt, müssen die anderen machen, deshalb ist das Spiel schon entschieden.
Sie klettern das Treppengeländer hoch und rutschen das Geländer so schnell wie möglich wieder hinunter, das macht Spaβ! Aber Matthias findet, dass das gefährlich ist, er hat Angst, er hat immer Angst. Matthias ist bekümmert, sieht kränklich aus und in der Schule sagen alle, dass er schwach ist. Er ist auch schüchtern, deshalb sagt er nichts und manchmal lebt er in seiner eigenen Welt, wo alles so schön ist.
Alex, Tanja und Markus gleiten das Geländer hinunter – einmal, zweimal – während Matthias nur beobachtet. „Matthias, kommt!“ Sein Gesicht sagt: „Ich will das nicht machen“, allerdings … er steigt die Treppe hoch auf das Geländer und langsam, langsam… pof! Er fällt runter und während schüchterne Tränen aus seinen Augen flieβen, lachen die anderen übertrieben.
Alex ist der einzige, der merkt, dass Matthias nicht lacht und um ihm zu helfen, schlägt er schnell ein anderes Spiel vor. „ Ja, klar… dieses Spiel ist so langweilig, dass ich nicht aufhören kann zu lachen!“. Das kann nur Tanja sagen, Ironie ist ihre Sprache und sie ist so unbekümmert, dass sie nicht merkt, dass ihr Bruder etwas anderes spielen möchte.
Und warum ist für den einen lustig, was für den anderen traurig ist? Ohne Zweifel ist das Leben voll von Paradoxien und eine Kindheitserinnerung ist nicht immer schön. Ding! Dong! Ding! Dong! Ding! Die Kirchenglocke läutet schon, sie müssen nach Hause zurückgehen, das Abendessen wartet auf sie!

Kommentarfunktion ist deaktiviert