Weihnachten in Frankreich – ein Fest der Kulturen

von Camille V.

„Paris, Anfang Dezember… Im Fernsehen laufen schon ein paar Werbungen, die oft Kinderspielzeuge betreffen… Draußen ist es kalt…. Doch man genießt das Laufen durch erleuchtete Straßen… Überall gibt es Weihnachtsgirlanden, die Leute tragen Weihnachtsgeschenke, durch viele Fenster erkennt man einen geschmückten Weihnachtsbaum und wenn man wirklich friert, kann man auf den Weihnachtsmarkt gehen und Glühwein trinken. Ab Dezember, sogar früher, scheint die zauberhafte Atmosphäre des Weihnachtsfests überall!

Was Kinder in dieser Zeit besonders mögen sind die Weihnachtsschaufenster.

In der Tat gibt es in Paris zwei bekannte Kaufhäuser, deren Schaufenster mit beweglichen Teddys dekoriert sind. Dieses Jahr hat das Kaufhaus „Le Printemps“ das Thema „nordische Weihnacht“ gewählt, während die „Galerie Lafayette“ die „glänzende Weihnacht“ beschwört hat.

Nach den Schaufenstern kann man sich mit dem Weihnachtsmann fotografieren lassen. Ob er der echte Weihnachtsmann ist, kann man nie wirklich sicher sein. Früher haben meine Eltern zu mir gesagt, dass es viele Weihnachtsmannhelfer gibt. Sie unterscheiden sich von dem Weihnachtsmann mit der Farbe der Schuhe. Das war aber nicht eine so deutliche Information! Ich habe sie aber sehr ernst genommen.

Im Dezember feiert man auch das Sankt-Nikolaus-Fest. Diese Tradition kommt aber aus dem Osten. Familien, die nicht im Osten leben oder aus dem Osten kommen, feiern es also nicht. In meiner Familie hat man für dieses Fest immer Honigkuchen bekommen. Dazu auch einen Brief, in dem Sankt Nikolaus zu uns sagte, was wir in dem Jahr gut oder schlecht gemacht hatten. Dadurch haben meinen Eltern sich voll ausgedrückt!

Aber was passiert eigentlich in dem Weihnachtsfest, in der Nacht des 24. Dezember? Und was bedeutet dieses Fest? Weihnachten ist ein christliches Fest, das die Geburt Jesus Christi feiert. Nach einer Umfrage im Jahr 2007 gibt es in Frankreich 51% Katholiken. Nur die Hälfte der Katholiken glauben aber an Gott. 31% sind Atheisten, 4% Muslim, 3% Protestanten und 1% Juden. Selbst wenn die Religion in Frankreich keine so große Rolle spielt und Weihnachten ursprünglich ein religiöses Fest ist, feiert trotzdem die Mehrheit der Franzosen Weihnachten. Dieses Fest ist mehr eine Tradition als ein Band mit der Religion. Deswegen gibt es auch Leute, die nicht christlich sind, die Weihnachten feiern. Der Weihnachtsmann gefällt sehr den Kindern und kann als universell betrachtet werden. Die Leute, die aber an Jesus Christus glauben, gehen aber oft vor dem Essen, am Abend des 24., in die Kirche.

Dann kommt das Essen. Viele Franzosen, die genug Geld dafür haben, geniessen ein Stück „foie gras“ als Vorspeise. Das „foie gras“ ist wörtlich eine fettige Leber, die aus einer Gans oder einer Ente kommt. Um dieses Luxusprodukt zu machen, muss man das Tier mästen. Das bedeutet, dass es zu viel Essen bekommen muss, selbst wenn es satt ist. Dafür muss man gewalttätig sein. Diese Leber schmeckt also sehr gut, aber wird nicht von Tierfreunden gemocht. Als Hauptspeise bekommt man oft eine Gans oder eine Ente mit Maronen. Als Nachtisch isst man einen Kuchen, das „buche“ (auf deutsch „Holzscheit“) genannt wird. Zwischen der Hauptspeise und dem Nachtisch öffnet man die Geschenke. Für die Kinder, die an den Weihnachtsmann glauben, benutzt man eine Schlauheit, damit sie nicht entdecken, dass eigentlich die Eltern diejenigen sind, die die Geschenke bringen.

Weihnachten verbringt man am häufigsten mit seiner Familie. Da meine Eltern nicht so eine gute Beziehung mit der Familie haben, feiern wir aber Weihnachten mit Freunden, die katholisch, jüdisch oder muslimisch sind. An diesem Tag spielt für uns die Religion keine Rolle. Nun ist wichtig ein leckeres Essen mit den Leuten, die am wichtigsten für uns sind, zu verbringen. Weihnachten bedeutet also für uns Teilen, Gastlichkeit, Liebe… ob man an Gott glaubt oder nicht, ob man christlich ist oder nicht: man kann sich an diesem Tag an den gleichen Tisch setzen und etwas zusammen genießen.“

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