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IIK >> Dokumentation >> 2001 >> Szenen >> Internationaler Empfang Düsseldorf
Sommerschulen und internationales Hochschulmarketing
(Prof. Christine Schwarzer, Vorsitzende des IIK)
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Sehr geehrte Gäste, liebe Kolleginnen und Kollegen
aus allen Fakultäten der H-H-U,
es ist mir eine besondere Freude, Sie heute zum diesjährigen internationalen
Empfang begrüßen zu dürfen.
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Diese Veranstaltung ist ja
schon fast zur festen Einrichtung geworden und sie gewinnt noch an Bedeutung
in einer Zeit, in der es zentral um die internationale Wettbewerbsfähigkeit
der deutschen Universitäten, die Angleichung von Studienleistungen
im europäischen Raum und die Öffnung der Unis in Richtung Wirtschaft
geht.
Die heutige Veranstaltung steht unter dem Motto "Sommerschulen" und
"Hochschulmarketing".
Ich weiß nicht, was Sie assoziieren, wenn Sie das
Wort Sommer hören, aber ich bin sicher, daß auch Sie eher
an Urlaub, Sonne, Palmen, Sport, faulenzen oder Meer denken als an
Schule, Kolleg, Kurs, Universität, büffeln oder gar Zertifikat.
Im Sommer sind ja auch Universitäten traditionell Studenten- und
Dozentenfreie Zone, abgesehen vielleicht von der interessanten Spezies
der Prüflinge und Prüfer.
Aber ließe sich aus dieser Konstellation nicht etwas Interessantes
und sogar Lukratives für den Studien- und Wissensstandort Deutschland
machen? Weshalb nicht den Campus während der Sommermonate zum Treffpunkt
von Weiterbildungsangeboten machen sowohl für Hochschul interne Weiterbildung
aller Gruppen, für Fortbildung ehemaliger Studierender, die bereits
erfolgreich im Beruf Fuß gefaßt haben, für ausländische
Studierende, die das Land kennen lernen und die Sprache lernen möchten,
für alle, die ein Interesse an einem bestimmten Gegenstand haben oder
einfach neugierig auf einen Gedankenaustausch mit Menschen aus unterschiedlichen
Kulturen sind.
Schon die Väter des Strukturplans des Deutschen Bildungsrates
hatten 1970 erkannt, daß Weiterbildung die vierte Säule des
Bildungssystems sein sollte, sie konnten sich mit ihrer Meinung allerdings
nicht so recht durchsetzen.
Heute bewerten wir den Stellenwert eines lebenslangen, permanenten
Lernens gänzlich anders, denn es hat sich gezeigt, daß die Zeiten,
zu denen junge Mensch sich mit einem Rucksack an Wissen und Lebensbewältigungskompetenz
in Schule und Ausbildung bevorrateten, der dann für ein ganzes
Leben reichte, längst vorbei sind. Heute werden Flexibilität,
ständiges Auffrischen von Wissen, Überprüfung von Perspektiven
und Bewertungen, auf dem Laufenden bleiben bzgl. Medienkompetenz
sowie etwas, das im Jargon "internationale Kompetenz" genannt wird, gefordert.
Im Zeitalter des schnellen Wissensumschlags ist es für alle Bevölkerungsgruppen
nötig, sich permanent neu zu orientieren, nicht nur in beruflicher
Sicht.
Hochschulen, und besonders Universitäten, haben bisher nicht
viel mit der Weiterbildung anfangen können, aber ich denke, das muß
und wird sich in Zukunft ändern. Nicht nur, weil im neuen Universitätsgesetz
die Weiterbildung ausdrücklich zu den Aufgaben der Unis zählt,
sondern auch, weil Internationalisierung der Studiengänge und
des Studienangebots sowie die Umsetzung von Forschungsbefunden in international
"verkaufbare" Weiterbildungsangebote eingefordert werden. Eine internationale
Vermarktung solcher Sommerkursmodule, die natürlich den europäischen
Normen der Kreditpunktvergabe entsprechen müßten, könnten
1.) die Reputation der Hochschule erhöhen, 2.) als Zeichen für
die objektive Qualität des Angebots gewertet werden, 3.) die in- und
ausländische Nachfrage erhöhen und natürlich 4.) auch
die finanzielle Situation verbessern.
Da die Alternsforschung uns zudem gezeigt hat, daß
wir Menschen unter bestimmten Voraussetzungen lebenslang fit genug
bleiben können für Lernprozesse - man kann das auch positives
Altern nennen - bieten sich hier vielfältigste Adressaten und
Inhalte an.
Die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft könnte sich z.B. in Kursen
zu Coaching, Fremdsprachen, Angebote an Expatriates, Beratung oder Praktikumsbegleitende
Veranstaltungen . Da solche Kurse mit Zertifikaten abschließen, die
auch für die Karriere jedes Einzelnen bedeutsam sein können,
wird der Aufbau einer breiteren Sommerschulkultur an dieser finanziellen
Frage sicher nicht scheitern.
Zudem ließen sich durchaus auch einige der eingangs erwähnten
Aspekte kombinieren. Lernen geschieht nämlich nicht nur in Alterskohorten
und nach einem festen Curriculum. Neben das geplante Lernen, das in Schule
und Universität dominiert, tritt das beiläufige Lernen, das durch
Erfahrungen im Umgang mit fremden Kulturen, durch sportliche Gemeinschaftsaktionen,
durch Feste und Austausch bzw. Konfrontation mit anderen Meinungen und
Kulturen aktiviert wird. Ein solches beiläufiges Lernen bejahen
wir ja auch fast durchgängig für unser traditionelles Sommerprogramm,
den Urlaub. Auch hier möchten wir Land und Leute kennen lernen und
vielleicht sogar die Landessprache beherrschen.
Fassen wir es doch als Herausforderung auf, unser Sommerschulprogramm
an der Heinrich-Heine-Universität weiter auszubauen (wenn Sie momentan
im Internet danach suchen, finden Sie natürlich schon die Kurse "Deutsch
als Fremdsprache" u.ä.). Versuchen wir es doch, wie es die FU in Berlin
mit Erfolg vorexerziert hat, einen großen Teil der Veranstaltungen
in englischer Sprache abzuhalten und nutzen wir doch das wunderschöne
Ambiente, das wir neuerdings in Form von Schloß Mickeln zur Verfügung
steht, damit haben wir schon einmal Rahmenbedingungen geschaffen, unter
denen Lernen Spaß macht und zu eigenem Weiterdenken anregt. Ich wünsche
uns allen, daß wir in diesem Sinne bald etwas zustande bringen,
daß dem Standort Düsseldorf und der Heinrich-Heine-Universität
alle Ehre macht. Vielleicht kann der heutige Abend etwas dazu beitragen.
In diesem Sinne sage ich nochmals "herzlich willkommen" und viel Positives
in kognitiver, emotionaler, sozialer und kulinarischer Hinsicht.
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