Wir schaffen das – aber nicht so wie beim letzten Mal! – Diskussion mit Thorsten Klute und Hermann Funk

Refugees Welcome! Integration fängt mit der Sprache an; Thorsten Klute, Staatssekretär, Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales NRW (MAIS); Dr. Matthias Jung, Vorstandsvorsitzender, Fachverband für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache e.V. (FaDaF)

Thorsten Klute, Staatssekretär, Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales NRW

Das Land Nordrhein-Westfalen ist zurzeit stark gefordert – die Verwaltung arbeitet auf Hochtouren, die Kommunen suchen händeringend nach Unterbringungsmöglichkeiten für Neuankömmlinge und Ehrenamtler wenden ihre freie Zeit für Deutschunterricht auf. Staatssekretär Thorsten Klute vom Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration des Landes NRW ist überzeugt davon, dass Deutschland, dass NRW die Herausforderung der hohen Flüchtlingszahlen stemmen kann. Dabei gehe es natürlich noch in Teilen ungeordnet zu, aber das Land NRW tue sein Möglichstes, um das Ankommen und die längerfristige Integration von Flüchtlingen im Land zu gewährleisten und ihnen eine Bleibeperspektive zu geben. Einige Programme und Unterstützungsmaßnahmen sind bereits angelaufen, andere werden im kommenden Jahr gestartet – dazu gehören staatliche Maßnahmen sowie die Förderung ehrenamtlichen Engagements.

 

Refugees Welcome! Integration fängt mit der Sprache an; Thorsten Klute, Staatssekretär, Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales NRW (MAIS); Dr. Matthias Jung, Vorstandsvorsitzender, Fachverband für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache e.V. (FaDaF)

Prof. Dr. Hermann Funk, Professor für das Deutsche als Fremd- und Zweitsprache, Universität Jena

Sprache bildet dabei den Kern der Integrationsmaßnahmen, denn bekannt ist, dass sich Versäumnisse in der Sprachförderung langfristig auf die Lebensbedingungen der Neuankömmlinge auswirken. Auf diesem zentralen Punkt lag somit auch der Fokus des Impulsvortrages von Prof. Hermann Funk, Professor für die deutsche Sprache als Fremd- und Zweitsprache an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, zum Thema „Wir schaffen das – aber nicht so wie beim letzten Mal!“. Der Titel ist Ausdruck der Versäumnisse, die in Deutschland im Umgang mit Flüchtlingen und Migranten in der Vergangenheit gemacht wurden: Nach der anfänglichen Unterstützung seien die Menschen komplett auf sich alleine gestellt gewesen, obwohl weder ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache noch zur Lebenswirklichkeit in Deutschland vermittelt worden waren. Diese und weitere Fehler dürften in der aktuellen Situation nicht wiederholt werden. Stattdessen sollte ein Umdenken einsetzen, wie flächendeckender Sprachunterricht gelingen kann, der flexibel auf die Bedürfnisse der Ankommenden eingeht. Dem Staat muss es ein zentrales Anliegen sein, die Sprachfähigkeit dieser Menschen zu fördern und sie nicht sich selbst zu überlassen.

Refugees Welcome! Integration fängt mit der Sprache an; Thorsten Klute, Staatssekretär, Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales NRW (MAIS); Dr. Matthias Jung, Vorstandsvorsitzender, Fachverband für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache e.V. (FaDaF)

Podiumsdiskussion mit Dr. Matthias Jung, Prof. Hermann Funk und Thorsten Klute

In der Podiumsdiskussion, moderiert von Dr. Matthias Jung, Vorstandsvorsitzender des Fachverbands für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache e.V. (FaDaF), wurde darüber diskutiert, was konkret und auch auf die Schnelle getan werden kann, wie guter Sprachunterricht gestaltet werden muss, was Ehrenamtler in diesem Zusammenhang leisten können und welche Unterrichtsmaterialien genutzt werden sollten. Einige Anregungen, aber auch Kritik an der gängigen Praxis kamen in der anschließenden Diskussion von aktiven Flüchtlingshelfern aus dem Publikum. Berichtet wurde von Alltagserfahrungen und von Problemen bei der Umsetzung von Flüchtlingshilfe sowie Sprachangeboten und auch davon wie die Ehrenamtler improvisieren, um die deutsche Sprache zu vermitteln (etwa der Einsatz von einfachen Kinderbüchern auch im Erwachsenenunterricht).

  • Das IIK möchte die Ehrenamtlichen bei ihrem Deutschunterricht unterstützen und Lehrmaterialien für ihre Arbeit zur Verfügung stellen. Wenn Sie Interesse an Materialien haben oder Informationen zu Fördermaßnahmen für Sprachbegleiter wünschen, wenden Sie sich bitte an verein@iik-duesseldorf.de.

Alle Fotos der Veranstaltung „Integration fängt mit der Sprache an“ im Stadtmuseum finden Sie hier.