9.12.: Willkommenskultur

Willkommenskultur – zwischen Staat, Verbänden und Zivilgesellschaft

Vortrag und Diskussion mit Ulrich Lilie

9. Dezember 2015 – 19:30 Uhr – Stadtmuseum Düsseldorf, Ibach-Saal, Berger Allee 2 (Anfahrt)

Refugees Welcome! „Willkommenskultur – zwischen Staat, Verbänden und Zivilgesellschaft“; Ulrich Lilie (Präsident der Diakonie Deutschland)

Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie Deutschland

„Willkommenskultur“ – dabei handelt es sich um einen Begriff, der erst in den letzten Jahren sehr in Mode gekommen ist bei Wissenschaftlern und Politikern und mit dem konkret jeder etwas anderes zu verbinden scheint. Eine einzige Definition des Wortes scheint nicht möglich, aber Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie Deutschland, versuchte in seinem Vortrag dem Wort etwas Leben einzuhauchen: Was ist das, eine Kultur, wo man andere Menschen willkommen heißt? Bräuchten wir nicht erst mal eine „Ankommenskultur“? Unhaltbare Zustände gebe es an der Außengrenze der Europäischen Union, kritisierte Lilie – und wofür stehe die EU noch, wenn nicht für eine Gemeinschaft der Werte und der Solidarität?

Europa werde momentan mit der größten humanitären Katastrophe der Nachkriegsgeschichte konfrontiert und der Erfolg der ganzen Union werde letztendlich daran gemessen werden, wie man mit dieser Krise umgegangen sei. „Starke Schultern“ wie Deutschland müssten zwar in Krisenzeiten größere Lasten tragen als andere Länder, dennoch ginge es nicht ohne eine gesamteuropäische Lösung, wenn man den gewaltigen Zustrom an Schutzbedürftigen organisieren und bewältigen wolle.

Refugees Welcome! „Willkommenskultur – zwischen Staat, Verbänden und Zivilgesellschaft“; Ulrich Lilie (Präsident der Diakonie Deutschland)

IIK-Präsident Prof. Heiner Barz und Ulrich Lilie

Die Flüchtlinge nehmen den langen Weg nach Europa nicht freiwillig auf sich, sondern sind auf der Flucht vor Elend, Krieg und Terror. Viele von ihnen seien traumatisiert von dem, was sie gesehen und erlebt haben – sie seien immer noch im „Panikmodus“ und kommen gerade erst zur Ruhe. Nicht nur die sogenannten „besorgten“ Bürger hätten Bedenken und Ängste – die man durchaus ernst nehmen müsse -, auch die Flüchtlinge hätten Angst vor einer fremden Kultur und Gesellschaft. Umso wichtiger sei es, dass die große Hilfsbereitschaft, die vielerorts gezeigt wurde, nicht nachlasse. Lilie gab zu Bedenken, dass sich alle auf Veränderungen einstellen und Verständnis aufbringen müssten – auch im Alltag, etwa angesichts größerer Schulklassen und Kitagruppen, die sich aus der Integration der geflüchteten Kinder ergeben. Abkommen wie der Königssteiner Schlüssel, nach dem die Flüchtlinge auf die Bundesländer verteilt werden oder die Standards, die für die Unterbringung und Betreuung der Flüchtlinge vorgegeben werden, sind angesichts der enorm gestiegenen Flüchtlingszahlen nicht mehr umsetzbar. Behörden und Verbände müssten daher schnell und unkompliziert handeln und die angebotene zivile Hilfe koordinieren – es müsse eine „neue Kultur der Improvisation“ etabliert werden. Integration sei erst dann gelungen, wenn die Neuankömmlinge ein selbstverständlicher Teil unserer Gesellschaft geworden sind.

  • Um ehrenamtliche Flüchtlingshelfer beim Deutschlehren zu unterstützen, hat das IIK nach der Abschlussveranstaltung Lehrbücher ausgeteilt. Wer ebenfalls Interesse an Unterrichtsmaterial hat oder sich über Förderangebote informieren möchte, kann sich an verein@iik-duesseldorf.de wenden.

Alle Fotos der Veranstaltung „Willkommenskultur“ finden Sie hier.


9. Dezember 2015 – 19:30 Uhr – Stadtmuseum Düsseldorf, Ibach-Saal, Berger Allee 2 (Anfahrt)

Schon länger bezeichnen Migrationsexperten den notwendigen Wandel im Umgang mit Zuwanderern mit dem Begriff „Willkommenskultur“. Wie sich die Diakonie Deutschland, einer der großen Wohlfahrtsverbände der Bundesrepublik Deutschland, in der gegenwärtigen Situation positioniert, wird Präsident Ulrich Lilie  (mehr Infos zu allen Referenten hier) in seinem Vortrag erläutern. Lilie betont dabei auch die Chancen, die sich für eine Weiterentwicklung des zivilgesellschaftlichen Engagements aus den aktuellen Herausforderungen ergeben.