5.11.: Das Jahrhundert der Flüchtlinge

Das Jahrhundert der Flüchtlinge – Herausforderung und Chance

Vortrag und Diskussion mit Rupert Neudeck

5. November 2015 – 19 Uhr – Townhouse Düsseldorf, Kolping-Saal, Bilker Straße 36 (Anfahrt)

Rupert Neudeck, bekannter Flüchtlingshelfer, Buchautor und Journalist, gab am 5. November den Auftakt zur IIK-Abendakademie 2015 „Flüchtlinge willkommen – und dann?“ und berichtete aus seiner ganz eigenen Perspektive über die Chancen und Herausforderungen der Zuwanderung.

Refugees Welcome! Flüchtlinge willkommen - und dann?; IIK Abendakademie 2015; Vortrag Rupert Neudeck

Prof. Dr. Andrea von Hülsen-Esch spricht das Grußwort zum Auftakt

Prof. Dr. Andrea von Hülsen-Esch (Beitrag vom IIK-Jubiläumskolloquium) eröffnete die Vortragsreihe mit nachdenklichen Worten zur Flüchtlingsdebatte und verdeutlichte die Bereitschaft der Heinrich-Heine-Universität Flüchtlinge in das aktuelle Lehrprogramm aufzunehmen und langfristig zu unterstützen.

Rupert Neudeck ist ein viel gereister Mann, das skizzierte er auch in seinem Vortrag, der das zahlreich erschienene Publikum durch verschiedene Kontinente dieser Erde führte. Vor Kurzem war Neudeck auf der, inzwischen sehr bekannten, Insel Lesbos vor der türkischen Küste. Er erzählte aus erster Hand von seinen Erfahrungen, die er vor Ort gemacht hat – sein Fazit: erschreckende Zustände, die sich am Rande der Europäischen Union abspielen. Doch ging es in seinem Beitrag weniger um die Herausforderungen der jüngst gestiegenen Zuwanderung, sondern mehr um die Perspektiven und Chancen für Europa und insbesondere für Deutschland, das so vielen Kriegsflüchtlingen Aufenthalt gewährt. Seine Prognose: Besonders die Syrer seien aus seinen Erfahrungen heraus eine relativ leicht zu integrierende Gruppe – sie kennen die Lebenswirklichkeit in Europa und könnten leichter Fuß fassen als andere Flüchtlingsgruppen.

Unbezweifelbar sei, dass wir vor einem gesellschaftlichen Umbruch stehen, dessen Folgen gewaltig sein werden – diese Umbrüche passieren sehr schnell, aber jetzt sei die Zeit gekommen, die Weichen für diese Veränderungen zu stellen. Das beispiellose Bürgerengagement, das durch die erhöhten Flüchtlingszahlen geweckt wurde, mache jedoch Mut. Die deutsche Gesellschaft habe die Chance zu zeigen, wie viel Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft und Mitgefühl in ihr stecke. Wie stehen wir zu den vielen Schutzbedürftigen? Wie schnell geben wir ihnen die Möglichkeit zu arbeiten und im Mittelpunkt der Gesellschaft anzukommen?

Refugees Welcome! Flüchtlinge willkommen - und dann?; IIK Abendakademie 2015; Vortrag Rupert Neudeck

Rupert Neudeck im Vortrag zur Flüchtlingsdebatte

„Wie schaffen wir das?“, eine der Fragen, die in der anschließenden Diskussion mit dem Publikum aufkam. Die Antworten von Neudeck sind keine Schönfärberei – da kommt viel auf uns zu, aber gerade er, der sein ganzes Schaffen der Flüchtlingsarbeit und Entwicklungshilfe gewidmet hat, ist positiv gegenüber der Herausforderung gestimmt: Der deutschen Gesellschaft gehe es gut und wir seien bereit Verantwortung für diejenigen zu übernehmen, die vor Krieg, Terror und Elend fliehen. Er ermutigt zu bürgerschaftlichem Engagement wie damals mit seiner Rettungsaktion mit der „Cap Anamur“ (Artikel dazu beim Referenten) – nicht erst fragen, sondern machen!

Alle Fotos der Veranstaltung finden Sie auf unserer Flickr-Seite (hier) und den Mitschnitt des Vortrags (hier).

Kommen Sie auch zu unserer IIK-Abendakademie Podiumsdiskussion am 3. Dezember mit Prof. Funk, Universität Jena und Staatssekretär im MAIS Thorsten Klute zum Thema „Integration fängt mit der Sprache an“. Anmelden können Sie sich unter: verein(at)iik-duesseldorf.de.


Eröffnung durch Prof. Dr. Andrea von Hülsen-Esch, Prorektorin für Internationales an der Heinrich-Heine-Universität

5. November 2015 – 19 Uhr – Townhouse Düsseldorf, Kolping-Saal, Bilker Straße 36 (Anfahrt)

Rupert Neudeck (mehr Infos zu allen Referenten hier) ist Journalist und Autor und eines der wohl bekanntesten Gesichter in der Flüchtlingsarbeit, dessen Engagement um das Wohl von Flüchtlingen schon  lange zurückreicht. Er ist Gründer der Hilfsorganisation „Cap Anamur“ (1979) mit der er mehrere tausende vietnamesische Flüchtlinge rettete und der Grünhelme (2003), die Aufbauhilfe in Entwicklungsländern leisten. Dafür wurde er mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Europäischen Sozialpreis. Er ist das beste Beispiel dafür, dass Flüchtlingsarbeit und interkulturelle Verständigung nicht nur Sache des Staates sind. Auch in der neu entfachten Debatte um Flüchtlinge, meldet er sich energisch zu Wort.